Sony, Canon, Nikon oder Fuji? Vollformat oder APS-C? Der Kameramarkt ist seit einigen Jahren im Umbruch – Kompaktkameras werden immer seltener, da Handy-Kameras nicht nur für die meisten Motive gut genug, sondern auch immer dabei sind. Zu den bisher etablierten Spiegelreflex-Systemen gesellen sich die spiegellosen Kameras. Insgesamt ist der Markt seit seinem Höhepunkt 2010 nach Stückzahlen um 75% geschrumpft, wie folgende Grafik zeigt. Die Verkäufe von Spiegelreflexkameras sind seit deren Höhepunkt im Jahr 2012 um etwa 60% zurückgegangen. Einzig die spiegellosen Systemkameras können sich dem Trend widersetzen und legten minimal zu. Diese machen inzwischen bereits etwa 40% der verkauften Kameras mit Wechselobjektiv aus.

Kameraverkäufe 1999-2000 (Quelle: CIPA-Report)

Als Folge dieses Rückgangs suchen die Hersteller ihren Ausweg in immer hochwertigeren (und teureren) Kameras, wie die Vorstellung neuer spiegelloser Vollformat-Systeme bei Canon, Nikon und auch Panasonic 2018 zeigt. Auch Fuji engagiert sich seit 2015 im spiegellosen Mittelformat. Was das für die Zukunft von APS-C bedeutet ist heute noch schwer zu sagen. Der Fokus von Canon, Nikon und Sony liegt zur Zeit jedenfalls klar auf Vollformat. Einzig Fuji steht mangels desselben noch zu seinem APS-C-Lineup.

Mit steigendem Anteil der spiegellosen Systeme an einem schrumpfenden Markt werden mittelfristig die Spiegelreflex-Produktlinien bei allen Herstellern zur Disposition stehen. Das ergibt sich bereits aus ökonomischen Notwendigkeiten, da es sich kein Hersteller mehr leisten kann, drei oder vier zueinander inkompatible Kamera- und Objektivbaureihen weiterzuentwickeln.

Modellübersicht

im Folgenden also zunächst eine Übersicht über das aktuelle Angebot der vier Hersteller. Wenn du gerade in die Fotografie ein- oder von einem System umsteigen willst, findest du hier eine erste Orientierung, welche Kameras und Objektivfamilien einen näheren Blick wert sind:

Hersteller Typ APS-C Vollformat
Sony Spiegelreflex A58 20 MP, 04/2013
A68 24 MP, 03/2016
A77 II 24 MP, 05/2014

12 Objektive (Sony) + Fremdhersteller

A99 24 MP, 10/2012
A99 II 42 MP, 10/2016

19 Objektive (Sony) + Fremdhersteller

Spiegellos A3000 20 MP, 08/2013
A5000 20 MP, 01/2014
A5100 24 MP, 08/2014
A6000 24 MP, 02/2014
A6300 24 MP, 02/2016
A6400 24 MP, 01/2019
A6500 24 MP, 10/2016

16 Objektive (Sony) + Fremdhersteller

A7 24 MP, 10/2013
A7 II 24 MP, 11/2014
A7 III 24 MP, 02/2018
A7 R 36 MP, 10/2013
A7R II 42 MP, 10/2015
A7R III 42 MP, 10/2017
A7S 12 MP, 04/2014
A7S II 12 MP, 09/2015
A9 24 MP, 04/2017

28 Objektive (Sony) + Fremdhersteller

Canon Spiegelreflex EOS 4000D 18 MP, 02/2018
EOS 2000D 24 MP, 02/2018
EOS 1300D 18 MP, 04/2016
EOS 200D 24 MP, 07/2017
EOS 250D 24 MP, 04/2019
EOS 800D 24 MP, 04/2017
EOS 77D 24 MP, 04/2017
EOS 80D 24 MP, 03/2016
EOS 7D MkII 20 MP, 11/2014

15 Objektive (Canon) + Fremdhersteller

EOS 6D 20 MP, 01/2013
EOS 6D Mk II 26 MP, 06/2017
EOS 5D Mk IV 30 MP, 08/2016
EOS 5DS (R) 50 MP, 02/2015
EOS 1D X Mk II 20 MP, 04/2016

53 Objektive (Canon) + Fremdhersteller

Spiegellos EOS M5 24 MP, 1/2016
EOS M6 24 MP, 04/2017
EOS M50 24 MP, 03/2018
EOS M100 24 MP, 10/2017

8 Objektive (Canon) + Fremdhersteller

EOS R 30 MP, 10/2018
EOS RP 26 MP, 02/2019

5 Objektive (Canon) + Fremdhersteller

Nikon Spiegelreflex D3400 24 MP, 09/2016
D3500 24 MP, 09/2018
D7200 24 MP, 03/2015
D7500 21 MP, 06/2017
D5300 24 MP, 11/2013
D5600 24 MP, 11/2016
D500 21 MP, 04/2016

20 Objektive (Nikon) + Fremdhersteller

D610 24 MP, 10/2013
D750 24 MP, 10/2014
D810 36 MP, 07/2014
D850 46 MP, 09/2017
D5 21 MP, 03/2016
DF 16 MP, 11/2013

67 Objektive (Nikon) + Fremdhersteller

Spiegellos Z6 24 MP, 08/2018
Z7 46 MP, 08/2018

6 Objektive (Nikon) + Fremdhersteller

Fuji Spiegellos X-A3 24 MP, 11/2016
X-A5 24 MP, 02/2018
X-T100 24 MP, 05/2018
X-E3 24 MP, 09/2017
X-T20 24 MP, 01/2017
X-T30 26 MP, 02/2019
X-T2 24 MP, 09/2016
X-T3 26 MP, 09/2018
X-Pro2 24 MP, 03/2016
X-H1 24 MP, 03/2018

27 Objektive (Fuji) + Fremdhersteller



Das ist, was der Markt derzeit hergibt. Wie immer gilt: Vollformat muss man sich leisten wollen – nicht nur was das Budget betrifft, sondern auch im Hinblick auf Größe und Gewicht der Ausrüstung.

Wenn du die Randbedingung Budget, Größe und Gewicht für dich geklärt hast, sind vielleicht folgende Überlegungen hilfreich:

  • Ein Neueinstieg in ein Spiegelreflex-System ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll, da alle Hersteller über kurz oder lang zu spiegellosen Kameras übergehen werden. Keines der neuen spiegellosen Systeme ist mit den alten DSLR-Objektiven kompatibel. Allerdings sind die alten Objektive teilweise einschließlich Kamera preiswerter als das vergleichbare Objektiv für ein spiegelloses System.
  • Hersteller, die sowohl APS-C als auch Vollformat anbieten (also Sony und Canon), entwickeln hochwertige Objektive (z. B. 70-200mm/2.8) oft nur für Vollformat und nicht in einer vergleichbaren APS-C-Version. Nur Sony hat für beide Sensorgrößen ein identisches Bajonett, so dass du an deiner APS-C-Kamera bei Bedarf auch Vollformat-Objektive nutzen kann, was einen späteren Umstieg erleichtert. Canons RF-Objektive passen nicht auf die APS-C-Kameras mit EF-M-Bajonett, so dass hier bei einem Umstieg auch alle Objektive neu zu kaufen sind, oder man im EF-M-System „gefangen“ bleibt.
  • Sony hat mit seinen spiegellosen Kameras und dem entsprechenden Objektivangebot etwa 5 Jahre Vorsprung. Bis eine ähnliche Auswahl für Canon und Nikon zur Verfügung steht werden noch einige Jahre ins Land gehen. Durch die Umstellung beider Hersteller auf neue Bajonette sind deren alten Objektive mittelfristig obsolet und beide starten bei Null, was auch Panasonic mit der S1 den Markteintritt ins spiegellose Vollformat ermöglicht hat.
  • Nur Fuji setzt voll auf APS-C und bietet viele hochwertige und lichtstarke Objektive an, die für APS-C optimiert sind. Bei Sony ist das Sony-Angebot an reinen APS-C-Objektiven stark eingeschränkt und Canon hat gerade einmal 8 EF-M-Objektive zur Auswahl. Bei Sony kann man immerhin auf das Vollformat-Sortiment der FE-Objektive zurückgreifen.
  • Adapter sind keine Lösung. Zwar lassen sich oft viele Objektive mittels Adapter nutzen, dabei sind aber meist die Autofokus-Geschwindigkeit und/oder -Funktion eingeschränkt, oder die Kamera kann die Objektive nicht voll elektronisch ansteuern, so dass Einstellungen manuell vorgenommen werden müssen.

Wenn nach den grundsätzlichen Überlegungen eines oder mehrere Systeme in der engeren Wahl sind, gelten wie immer die individuellen Kriterien an die Modellwahl, die stark vom Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben abhängen, also zum Beispiel:

  • Handling, Ergonomie und Bedienung
  • Autofokus-Fähigkeiten
  • (elektronischer) Sucher – notwendig oder nicht, Qualität ausreichend?
  • Display – Auflösung, Ablesbarkeit im Sonnenlicht, Touch
  • Sensor (Auflösung, Low-Light-Fähigkeiten)
  • Video-Fähigkeit und integrierte Bildstabilisierung
  • Farbwiedergabe, insbesondere bei Hauttönen
  • Wasser- und Staubdichtigkeit
  • etc.

Zusammenfassung

Schlussendlich lassen sich alle Überlegungen wieder auf vier Kriterien reduzieren – Preis, Objektivauswahl, technische Fähigkeiten und Größe/Gewicht. Wie so oft im Leben ist keines der sechs Systeme – Sony APS-C und Vollformat, Canon APS-C und Vollformat, Nikon und Fuji in allen Bereichen klar überlegen, so dass du (wie so oft im Leben) die Kriterien nur für dich individuell gewichten und zu einer Entscheidung kommen kannst, die für dich und deine Fotografie passt.



Titelbild: Tomasz Zajda / stock.adobe.com

Zuletzt aktualisiert am 13.08.2019